Einkaufen ohne Plastikmüll

Helen Neuwirth hat in der Südstadt einen Unverpackt-Laden eröffnet – mit Hilfe von Crowdfunding.

Text und Fotos: Pamela De Filippo

Über 17 Millionen Tonnen Verpackungsmüll fallen jedes Jahr in Deutschland an. Zu viel, findet Helen Neuwirth. Ende August eröffnete die 22-Jährige deshalb den ersten Unverpackt-Laden Kassels. Dort können die Kunden Getreide, Hülsenfrüchte, Nudeln und andere Produkte lose kaufen und in mitgebrachte Gefäße abfüllen. Um ihre Geschäftsidee zu realisieren, bekam die ehemalige Studentin auch Unterstützung von der Uni Kassel.

Die Idee zum umweltbewussten Bioladen entstand schon vor längerer Zeit. Als Helen Neuwirth vor vier Jahren zum Architektur-Studium nach Kassel zog und zum ersten Mal einen eigenen Haushalt führte, fielen ihr die zahlreichen Verpackungen auf, die sich Tag für Tag anhäuften. „Sogar im Bioladen war vieles plastikverpackt. Das fand ich ärgerlich“, sagt sie. Warum also nicht einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz leisten?

Ihr Studium an der Universität Kassel sei interessant gewesen, habe sie aber nicht ausgefüllt, sagt Helen Neuwirth. Stattdessen reizte sie die Vorstellung, sich mit einem eigenen Bioladen – Unverpackt-Läden gibt es bereits in einigen anderen deutschen Städten – selbstständig zu machen. „Das Konzept stand, ich wartete nur auf die passende Gelegenheit.“ Die kam im Frühjahr dieses Jahres, als in der Kasseler Südstadt der etablierte Biomarkt Butterblume schloss. Ein Verlust für die vielen Stammkunden. „Ich hörte, dass händeringend ein Nachfolger gesucht wurde“, erzählt die 22-Jährige. Schnell stand fest: Der ideale Standort für ihren Unverpackt-Laden war gefunden. Den Namen „Butterblume“ übernahm sie gleich mit.

Was jedoch noch fehlte, war das nötige Startkapital. Deshalb initiierte Helen Neuwirth eine Crowdfunding-Kampagne über die Plattform Unikat Crowdfunding. Das heißt: Sie stellte ihr Projekt im Internet vor und warb um Investoren, um es zu realisieren. „Die Gründungsberatung von UniKasselTransfer war dabei eine große Hilfe“, erzählt sie. Annika Wallbach und Gabriele Hennemuth hätten ihr beim Crowdfunding-Konzept maßgeblich unter die Arme gegriffen.

25.000 Euro hatte Neuwirth mit ihrer Aktion sammeln wollen. Am Ende waren es weit über 30.000 Euro, die innerhalb von nur vier Wochen zusammen kamen. Sie ist immer noch überwältigt von dem großen Interesse an ihrem Projekt und den vielen Spenden. Doch nicht nur finanzielle Unterstützung bekam sie zuhauf: Karin Hesse, langjährige Mitarbeiterin des Biomarkts Butterblume, half ihr mit Tatkraft und Know-how bei der Vorbereitung. Sie wird auch künftig Teil des Teams sein, ebenso wie Studentin Tina Jung.

Insgesamt hat Helen Neuwirth 40.000 Euro in ihren nahezu verpackungsfreien Laden investiert. Für eine Neueröffnung ist das nicht viel. „Einiges habe ich gebraucht gekauft. Ich finde, das passt gut zum nachhaltigen Konzept“, sagt die Jungunternehmerin. Neben unverpackten Lebensmitteln wie Reis, Cornflakes und Gewürzen bietet der Laden im Übrigen auch Waschmittel und Seife zum Abfüllen an. Auch ein Spontan-Einkauf ohne eigenes Gefäß ist möglich: In einem Regal stehen Gläser und Flaschen zum Kauf bereit, zudem gibt es Recycling-Papiertüten.
Abgerundet wird das Butterblume-Angebot von einem gängigen Bio-Sortiment. Außerdem gibt es frisches Obst und Gemüse, eine Käsetheke und Brot von mehreren regionalen Bio-Bäckereien. „Auch da freuen wir uns, wenn Kunden eigene Dosen oder Brotbeutel für den Einkauf mitbringen“, sagt Helen Neuwirth. Sie fühle sich von den Nachbarn an der Frankfurter Straße gut aufgenommen, sagt sie. Viele hätten während der Umbauphase ihre Hilfe angeboten. Andere schauten neugierig zur Tür herein und fragten, wann ihre Butterblume endlich wieder eröffnet. „Das zeigt mir, dass meine Entscheidung richtig war.“

Kontakt Unikat Crowdfunding: www.startnext.com/pages/unikat

Der Originaltext von Pamela De Filippo ist in der Publik 3/2017 erschienen. Hier geht es zu der Ausgabe.

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