Christoph Pohl: Vom Kinderarztkoffer in die Produktion

Seine Erfindung verdankt Dr.-Ing. Christoph Pohl von eta|opt dem Spiel mit seinem kleinen Sohn

Wenn Zahnbürsten verpackt oder Karosserieteile entnommen und umgesetzt werden, ist Druckluft im Spiel. In den automatisierten Fertigungsanlagen etwa der Verpackungsindustrie oder der Automobilindustrie werden Vakuumgreifsysteme eingesetzt, die mit Druckluft betrieben werden. Wegen der hohen Energiekosten suchen Wissenschaft und Industrie schon lange nach Möglichkeiten, Druckluft in der Produktion zu substituieren. Das Kasseler StartUp eta|opt hat dafür eine Lösung gefunden.

Die Universität Kassel arbeitet seit vielen Jahren an der energetischen Optimierung von industriellen Prozessen. Von 2010 bis 2013 war das Fachgebiet „Umweltgerechte Produkte und Prozesse“ (upp) unter der Leitung von Professor Dr. Jens Hesselbach in das vom Land Hessen und der EU co-finanzierte Projekt „HIER! – Hessen Innovationen für Energie- und Ressourceneffizenz“ eingebunden. Christoph Pohl, damals Doktorand und heute Inhaber des Unternehmens eta|opt, untersuchte in dem Teilprojekt „Druckluftarme Produktion“ Ansätze zur Substitution von Druckluftanwendungen durch elektromechanische Alternativen. Seine Gedanken kreisten immer wieder um das Problem, wie die Druckluft vollständig aus der Produktion verbannt werden könnte.

Als Pohls kleiner Sohn abends einen abgerissenen Balg aus einem Kinderarztkoffer an die Wange seines Vaters presst, war der Gedanke da: Der Unterdruck, der durch das Zusammenpressen und Auseinanderziehen entsteht, müsste sich auch zum Ansaugen von Produkten nutzen lassen. Aus dieser Idee entwickelte Pohl eine elektromechanische Saug-Hebevorrichtung, die die Uni Kassel 2013 zum Patent anmeldete. Kurz darauf gründete Pohl ein Ingenieurbüro, um seine Idee voranzutreiben. Damit folgte er dem Rat seines gründungserfahrenen Doktorvaters Hesselbach: „Vielleicht kann die Produktentwicklung im ersten Schritt durch Ingenieurdienstleistungen finanziert werden.“

eta|opt hat seinen Sitz im Science Park der Uni Kassel. Auf der einen Seite profitiert Pohl bei der Suche nach Mitarbeitern von der Nähe zur Hochschule, gleichzeitig ist es dem Unternehmer ein Bedürfnis, ihr auch etwas zurückzugeben. Er ist als Dozent in verschiedenen Lehrveranstaltungen tätig und unterstützt als Gutachter den UNIKAT Ideenwettbewerb.

„Der Austausch mit den anderen Unternehmern im Science Park ist unglaublich viel wert“, meint Pohl. „Ich stehe jeden Tag vor neuen Herausforderungen. Mit anderen Unternehmern zu sprechen, ist da einfach enorm wichtig.“ Pohl ist froh, im Science Park in ein Netzwerk aus Unternehmerinnen und Unternehmern eingebunden zu sein, „denn jeder Tag ist anders. Auch wenn am Ende des vorhergehenden Tages alles gut war, kann am nächsten Tag alles anders sein. Als Unternehmer braucht man auch Leidensfähigkeit, denn Rückschläge gibt es immer wieder“, gibt Pohl jungen Gründerinnen und Gründern deshalb mit auf den Weg.

Angst vorm Scheitern kennt der pragmatische Familienvater dennoch nicht. Er vertraut auf seine Fähigkeiten. Schon früh war ihm klar, dass er ein Produkt hat, für das es einen Markt gibt. „Auch wenn ich am Ende nicht weiß, wo mein Unternehmen in zehn Jahren steht, zählt für mich der Weg. Wenn der eine Weg nicht funktioniert, suche ich einen anderen. Ich bin überzeugt, dass es immer Möglichkeiten gibt.“

Das Geld für den Start konnte Pohl über private Kontakte akquirieren. Wenig später wandelte er sein Ingenieurbüro in eine GmbH um und entwickelte erste Produkte für die Industrie. Derzeit arbeitet eta|opt mit einem Team von zwölf Mitarbeitern an Produktlösungen für die verschiedensten Branchen.

Vor ein paar Wochen ist die Firma Hübner als strategischer Partner ins Unternehmen eingestiegen. Ein wichtiger Schritt, weil der nordhessische Partner das junge Unternehmen bei der anstehenden Serienproduktion unterstützen kann. Außerdem sichert das Invest den weiteren Vertriebsaufbau.

Der Beitrag ist auch in der Publik 1/2017 erschienen.

 

 

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