Kann Crowdfunding ein Softwaretool für die Solidarische Landwirtschaft finanzieren?

Kristina ist Absolventin des Fachbereichs Nachhaltiges Wirtschaften an der Universität Kassel. Gemeinsam mit ihrer Schwester Carolin, ihrem Vater Wolfgang, Christopher und Mikel unterstützen sie Solidarische Landwirtschaften mit einer passenden Open Source Softwarelösung.

Kristina, ihr habt eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um eine OpenSource Software für Solidarische Landwirtschaften zu entwickeln. Wieso braucht es eine spezielle Software?
Solidarische Landwirtschaften arbeiten mit speziellen Vertriebswegen, weil sie z.B. Lieferstellen oder Depots nutzen, an die das Gemüse geliefert wird. Auch wird das Gemüse wöchentlich geerntet und dann durch die Anzahl der Mitglieder geteilt. Es gibt bislang keine Anwendung, die die speziellen Anforderungen von Solawis abdeckt. Weil wir kein kommerzielles Produkt herstellen möchten, braucht es eine Open Source Lösung. Aber auch das muss finanziert werden. Die Programmierkosten sollen über Crowdfunding und Fördergelder gedeckt werden und die Folgekosten werden wir über ein ermitteltes Jahresbudget auf die Nutzer umlegen.

Ihr habt eine Fundingschwelle von 7.450 Euro und ein Fundingziel von 21.000 Euro festgelegt. Wofür braucht ihr das Geld?
Wenn wir die Fundingschwelle erreichen, können wir die Mindestanforderungen erfüllen. Wenn die Fundingsumme darüber liegt, können wir optimal anpassen. Wir arbeiten mit dem Schweizer Verein und der gleichnamigen Anwendung OpenOlitor zusammen. Open Olitor ist eine Administrationsplattform für Solidarische Landwirtschaften in der Schweiz. Die Schweizer Initiativen unterscheiden sich aber u.a. in Währung und Zahlungssytem von deutschen, deshalb müssen Anpassungen vorgenommen werden. Im vergangenen Jahr haben wir die Anwendung mit fünf Solawis getestet und haben Anpassungsanforderungen definiert, die jetzt umgesetzt werden sollen. Einen Teil dieser Entwicklung hat die GLS Zukunftsstiftung Landwirtschaft finanziert.

Welche Dankeschöns bietet ihr an?
„Wir haben mit unseren fünf „Test-Solawis“ Dankeschöns ausgearbeitet, bspw. gibt es in Kassel das „Hühner-Picknick“, denn hier gibt es auch die Möglichkeit, einen Eier-Anteil zu erwerben und in Landolfshausen (bei Göttingen) kann bei einem Solawi Workout echte Solawi Erfahrung gesammelt werden.“ Acker-Updates zeigen Jahreszeiten-Fotos der Acker um zu zeigen, wie sich der Acker im Laufe der Jahreszeiten verändert. Durch viele unserer Dankeschöns kommen die Unterstützer und Unterstützerinnen richtig in Berührung zu Solidarischer Landwirtschaft und lernen die Betriebe und die Landwirte direkt kennen! Ein Dankeschön für zukünftige Nutzer ist ein Webinar oder OpenOlitor in eurer Solawi-Sprache, z.B. Prosument statt Mitglied.

Wieso engagiert ihr euch für Solidarische Landwirtschaft?
Wir sind davon überzeugt, dass Solidarische Landwirtschaft eine echte Alternative zu unserem aktuellen, teilweise nicht-nachhaltigen Ernährungssystem ist. In Solidarischen Landwirtschaften schließen sich Mitglieder bzw. Nutzer und Gärtner_innen bzw. Landwirt_innen zusammen. Auf der einen Seite bekommen die Mitglieder saisonales und regionales Gemüse, oft auch Biogemüse und auf der anderen Seite haben die Landwirte für eine Saison im Voraus die Sicherheit, dass Ihnen die Ernte abgenommen wird.

Der landwirtschaftliche Betrieb kann unabhängig von Marktpreisen das Jahr über anbauen und hat den direkten Bezug zum Konsumenten. Die Mitglieder von Solidarischen Landwirtschaften wiederum wissen, wo ihr Gemüse herkommt, wo es angebaut wird und wenn sie wollen, können sie auch mithelfen. Das ist ein ganz anderer Bezug, den wir heute häufig verloren haben. Wir kaufen im Supermarkt und wissen häufig gar nicht mehr, wo das Gemüse herkommt, unter welchen Bedingungen es angebaut wird etc.

Solidarische Landwirtschaft bedeutet, dass die Unterstützer einen Anteil an der Ernte, die erwirtschaftet wird, übernehmen. Damit tragen sie unter Umständen auch einen Teil der Ernteausfälle. Wie funktioniert das Prinzip?
Am Anfang des Jahres wird von den Landwirten ein Jahresbudget berechnet: Welche Kosten fallen an, um die Mitglieder übers Jahr mit frischen Gemüse zu versorgen? Daraus wird ein Durchschnittspreis bzw. Richtwert für einen Anteil pro Monat berechnet. In Kassel gibt es dann z.B. eine Bieterrunde, wo jede Anteilseignerin und jeder Anteilseigner einen Preis bieten kann. Das wird noch am Abend zusammengerechnet und mit viel Glück hat man direkt bei der ersten Runde den Betrag zusammen. Wenn nicht, kann nochmal neu geboten werden. Andere Solawis haben feste monatliche Preise, ohne Bieterrunde. Im Gegenzug bekommen sie ihren Anteil an der Ernte.

Für die Landwirte ist das auch ein schönes Modell, weil sie dadurch den direkten Bezug zum Kunden haben und wissen, dass ihre Ernte abgenommen wird und sie nicht auf Zwischenhändler angewiesen sind.
Ja, es ist ein Vertriebsweg. Natürlich können die Landwirte ihr Gemüse auch auf dem Markt vertreiben oder in Supermärkten, aber mit dem Konzept der „Solidarischen Landwirtschaft“ weiß der Landwirt bereits am Anfang des Jahres welche Menge abgenommen wird, also wie viele Anteile an Mitglieder abgegeben werden und die Kosten dafür sind schon gedeckt. Diesen Sicherheitsaspekt gibt es so bei den anderen Vertriebswegen nicht.

Wo findet man euch und wie kann man euch unterstützen?
Unser Projekt findet ihr hier: https://www.startnext.com/software-fuer-solidarische-landwirtschaft
Die Kampagne läuft bis zum 28. Februar 2018

Vielen Dank für das Gespräch.

Aufgezeichnet von Gabriele Hennemuth

Kristina ist Absolventin des Fachbereichs Nachhaltiges Wirtschaften. Mit der Idee sunu – Software für Solidarische Landwirtschaft war sie Finalistin beim UNIKAT Ideenwettbewerb 2017 und nominiert für den HESSEN IDEEN Wettbewerb.

Hier geht es zum Beitrag „5 Indizien, an denen du siehst, ob du dein Projekt über Crowdfunding finanzieren kannst“.

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