Forschungsprojekt „Gründercoaching“ – wie sieht passgenaues Gründungscoaching aus?

Frau Diermann, begleitendes Coaching ist mittlerweile bei fast jedem Gründerstipendium ein Bestandteil, egal ob es EXIST, Climate KIC oder das HESSEN IDEEN Stipendium ist. Sie arbeiten in dem Forschungsprojekt „Gründercoaching“ an der Universität Kassel, um passgenaueres Coaching zu ermöglichen. Worum geht es bei dem Forschungsprojekt?
In unserem Forschungsprojekt stellen wir die Perspektiven von Gründern und die der Gründungscoaches gegenüber: Was sind die Bedürfnisse der Gründer? Was machen die Coaches und wie passt beides zusammen? Unser Fokus liegt auf der Kompetenzentwicklung: Was sind gründungsrelevante Kompetenzen? Wir haben aus der Forschung bereits Ergebnisse zu wichtigen Kompetenzen wie Risikobereitschaft oder Durchhaltevermögen, bei anderen Kompetenzen ist man sich noch unsicher. Deshalb ist es für uns wichtig, in Interviews herauszufinden, mit welchen Wünschen Gründer in das Coaching gehen und wie gut diese Bedürfnisse aufgegriffen wurden. Was kann im Rahmen des Coachings an Kompetenzentwicklung für eine Gründung geleistet werden? Und wo sind auch Grenzen? Dabei gucken wir auch nach den Phasen: In welchen Phasen kommen Gründer vermehrt zum Coaching, wann suchen sie es auf und was brauchen sie in den verschiedenen Phasen? Was für Kompetenzen sind in diesen Phasen unterschiedlich wichtig? Wir wollen uns anschauen: Was passiert in so einem Prozess? Wie gestalten die Coaches die Anfangsphase? Wie finden sie heraus, was Themen der Gründer sind? In der Anfangsphase wird die Struktur gesetzt, deshalb ist diese Phase für uns sehr wichtig.

Als Ergebnis des Forschungsprojekts wollen wir ein kompetenzbasiertes Coachingkonzept entwickeln, dass wir Gründungscoaches und -beratern an die Hand geben können, um passgenau auf die Bedürfnisse von Gründern eingehen zu können.

Wie ist der Stand des Projekts? Wie lange läuft das Projekt noch?
Das Projekt ist gerade gestartet. Wir haben das Konzept entworfen und sind jetzt in der Akquisephase.
In dieser Phase betreiben wir eine Qualitative Forschung. Wir werden von Januar bis März oder April 2018 Gespräche führen.

Mit wem wollen Sie Gespräche führen?
Wir suchen bundesweit Interviewpartner: Gründer und Coaches. Von den Gründern wollen wir wissen, was sie sich vom Coaching wünschen, was ihre Bedürfnisse sind. Von den Coaches wollen wir wissen, wo sie Chancen sehen und wo Grenzen des Coachings sind. Diese beiden Perspektiven wollen wir übereinanderlegen, um zu schauen, was gut klappt und wohin sich ein Gründercoaching weiterentwickeln müsste, um Gründer noch effektiver zu unterstützen.

Welche Forschungsmethoden werden Sie anwenden?
Wir führen eine Qualitative Studie durch, d.h. wir betreiben Feldforschung: Wir gucken uns an, was uns die Gründer und die Gründungscoachs erzählen. Deren implizite Theorie über das, was im Coaching passiert und was sie brauchen, werten wir aus, um zu erfahren, in welchen Merkmalen sich Gründungscoaching von anderem Coaching unterscheidet und wie gründungsrelevante Kompetenzen im Coaching entwickelt und gefördert werden können.

Was muss ich als Coach bei der Zielgruppe der Gründer beachten? Was sind Besonderheiten? Da es sich um eine Qualitative Studie handelt, ist die Studie ergebnisoffen. Vielleicht kommen wir zu Ergebnissen, mit denen wir nicht rechnen. Die Erkenntnisse dieser Qualitativen Studie möchten wir im Anschluss für eine größere, dann repräsentative Quantitative Studie nutzen, die wir online durchführen wollen.

Wie viele Gesprächspartner suchen Sie? Gibt es da eine Zahl?
Nein, es gibt keine feste Zahl, sondern das Prinzip der „Theoretischen Sättigung“, also wann wiederholen sich die Aussagen? Es gibt eine Mindestzahl von 20 Gesprächen mit Gründern und 20 Gesprächen mit Coaches. Je mehr, desto besser.

Wieso lohnt es sich für Gründer_innen an der Studie teilzunehmen?
Gründer und Gründerinnen, die an unserer Studie teilnehmen, bekommen von uns eine praxisrelevante und als Kurzversion aufbereitete Information darüber, welche Kompetenzen gemäß neuester Forschung für Gründer_innen besonders bedeutsam sind und den Gründungserfolg bedingen können. Außerdem bekommen sie unsere Studienergebnisse und können auf lange Sicht hoffentlich von einem fundierten Gründercoaching-Konzept profitieren.

Wieviel Zeit sollten die Interviewpartner für das Gespräch einplanen und wo finden Interessierte weitere Infos zum Forschungsprojekt?
Gründer und Gründercoaches sollten ca. 30-45 Minuten einplanen.
Infos zum Forschungsprojekt finden Sie hier: https://www.facebook.com/Gruendercoachingforschung/ oder direkt bei mir: isabell.diermann@uni-kassel.de

Vielen Dank!

Aufgezeichnet von Gabriele Hennemuth.

Isabell Diermann ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet „Theorie und Methodik der Beratung“. Sie promoviert zum Thema „Qualitätssicherung im Coaching“ und befindet sich selbst in Ausbildung zum Coach (dpa).

Das Forschungsprojekt „Gründercoaching“ ist aus einer Kooperation des Lehrstuhls von Frau Prof. Heidi Möller „Theorie und Methodik der Beratung“ und des Lehrstuhls von Frau Prof. Kathrin Rosing „Unternehmerisches Denken und Handeln“ entstanden.

Hier geht es zum Beitrag „Prof. Heidi Möller: ‚Gründungsdrang und Innovationszwang‘ – Wie kann Gründungscoaching noch effektiver werden?“

Hier geht es zum Beitrag „Prof. Kathrin Rosing: Wieso gehören Scheitern und Fehler machen zum Leben dazu?“

Hier geht es zum Beitrag „Goldene Regeln für die Arbeit im (Gründungs-) Team“

 

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