Prof. Dr.-Ing. Hans-Peter Heim: „Selbständigkeit ist kein Selbstläufer“

Text: JAANA KISTNER

Prof. Dr.-Ing. Hans-Peter Heim ist Leiter des Instituts für Werkstofftechnik und Leiter des Fachgebiets „Kunststofftechnik“ am Fachbereich Maschinenbau der Universität Kassel.

Prof. Heim, welche Start-Ups aus Ihrem Fachbereich sind Ihnen bekannt? Gibt es aktuelle Kooperationen mit Ausgründungen?
Sehr bekannt ist die Firma Limon GmbH, eine Ausgründung aus dem Fachgebiet UPP (Umweltgerechte Produkte und Prozesse) im Fachbereich Maschinenbau. Aus dem Bereich Kunststofftechnik ist mir keine Ausgründung bekannt. Ein kleine Kooperation gab es vor einiger Zeit mit der Firma Sminno, zwei Studenten des Maschinenbaus und des Wirtschaftsingenieurwesens, die mit Zubehör für Smartphones, u.a. aus Kunststoff, recht erfolgreich sind. Mit der Firma KES-Technik starten wir gerade eine Kooperation und dann sind wir natürlich auch eng verbunden mit dem Unternehmen STRAFFR.

Sie sind sogar Mentor des Start-Ups STRAFFR, welches derzeit durch ein EXIST-Stipendium gefördert wird und in den Inkubatorräumen der Uni Kassel arbeitet. Wie kam es dazu?
Wir haben uns einige Monate vor dem Beginn der Exist Förderung im Zuge der Antragstellung kennengelernt. Das Team ist auf Herrn Dr. Giesen, Mitarbeiter in meinem Fachgebiet, und mich zu gekommen, weil es für die Herstellung des STRAFFR Fitnessbandes werkstofftechnische und prozesstechnische Unterstützung brauchte.

Da wir ein sehr gut ausgestattetes Technikum für die Verarbeitung und Charakterisierung von Silikon haben, kann STRAFFR Prototypen bei uns herstellen und sie mit professioneller Technik prüfen.  Abgesehen von der Nutzung der Geräte unterstützen wir das Team von STRAFFR bei deren Nutzung und bei der Auswertung der Tests.

Warum machen sich gerade Absolventen aus dem Fachbereich Maschinenbau selbstständig?
Ich denke das liegt am Wesen der Disziplin Maschinenbau. Schon immer war der Ingenieur jemand, der versucht hat, neue naturwissenschaftlich-technologische Erkenntnisse in anwendbare Technik zu überführen. Das Studium vermittelt die notwendigen Kompetenzen, um dies zu tun und erfolgreiche Ausgründungen sind natürlich für den Fachbereich ein sichtbarer Nachweis, dass dies wohl gelungen ist.

Wo sehen Sie Ausgründungspotential?
Ich denke, dass die aktuellen großen Themen wie Digitalisierung, Biologisierung und Ressourceneffizienz ein großes Potential haben. Im Detail sind das Themen wie z. B. die Additive Fertigung, Nachwachsende Rohstoffe und Werkstoffkreisläufe, effiziente datengestützte Prozessüberwachung und –regelung und nach wie vor der Leichtbau. Natürlich sind werkstoffliche Themen im Bereich Energiewende und Elektromobilität derzeit besonders interessant. Aber man sollte nicht unterschätzen wie viele kreative Ideen aus der Studierendenschaft kommen, die ganz jenseits der genannten Megatrends höchst erfolgreich werden können.

Welchen Rat möchten Sie gründungsinteressierten Studierenden mit auf den Weg geben?
Wer von seiner Idee überzeugt ist, sollte sich nur von harten Fakten aber nicht von anders lautenden Meinungen davon abhalten lassen. Als z. B. die Firma Sminno vor Jahren auf mich zu kam, habe ich der Idee zunächst viel Chancen eingeräumt – ich bin eines besseren belehrt worden, es ist also gut, dass die Gründer ihre Idee konsequent weiter verfolgt haben. STRAFFR liegt mit dem Thema Fitness und Gesundheit genau richtig, wie ich finde. Aber ein Selbstläufer ist die Selbstständigkeit deshalb trotzdem nicht.

Dieser Beitrag ist bereits im Science Park Newsletter vom August 2019 erschienen

Hier geht es zum Beitrag „6 Voraussetzungen, die euer Projekt erfüllen sollte, wenn ihr euch für ein EXIST-Gründerstipendium bewerbt“

Hier geht es zum Beitrag „5 Indizien, an denen du siehst, ob du dein Projekt über Crowdfunding finanzieren kannst“.

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