FAIL – aus Fehlern lernen: Interview mit Alexandra Holz

Zur Person:
Alexandra Holz, 45 Jahre alt, Studium Architektur 1999 bis 2006, Gründung der 1. Firma Holz Massivblockhaus 1994 – 2006, Weiterbildung WebDesignerin / WebDeveloperin, 2012 Gründung des Grafikbüros Querwerk im SciencePark Kassel.

Warum bist Du Unternehmerin geworden?
Weil ich eine Idee hatte, die ich unbedingt umsetzen wollte. Die erste eigene Firma war einer der größten Momente in meinem Leben. Meine Idee zu verwirklichen und dabei Arbeitsplätze und gute Arbeitsbedingungen für andere zu schaffen. Und natürlich wollte ich viel Geld verdienen.

Was treibt Dich an? Was schätzt Du am Unternehmerin sein?
Als Unternehmerin wird man immer neu gefordert und man lernt ständig dazu. Das ist anstrengend aber auch toll. Ich schätze am Unternehmerin sein, daß ich ein hohes Maß an persönlicher Freiheit habe und meine Arbeitsbedingungen und Zeiten selber bestimmen kann.

Was war Dein größter FAIL / Misserfolg?
Insolvenz der ersten Firma Holz Massivblockhaus 2006.

Was hast Du durch Deine Insolvenz gelernt?
Das ein Erfolg auch mit einem Misserfolg enden kann und das zum Weitermachen die Akzeptanz des Scheiterns notwendig ist und das man einen Umgang mit den negativen und erdrückenden Gefühlen finden muss. Eine Insolvenz ist eine sehr schmerzhafte Erfahrung, verbunden mit dem Absturz in die Arbeitslosigkeit, ein Strudel aus Gerichtsvollzieherterminen und Offenbarungseiden, ein Leben ohne Bankkonto und Handyvertrag.
Ich habe mich selbst besser kennen gelernt und beschäftige mich heute gründlicher mit mir selbst und den gesellschaftlichen Verhältnissen und kann dadurch meine Ziele genauer erfassen. Ich wäge heute bei geschäftlichen Entscheidungen mehr ab, was ich will und was ich kann.

Gehst Du jetzt anders mit Misserfolgen um?
Ja auf alle Fälle. Ich habe gelernt dass Misserfolge zum Leben dazu gehören, und damit auch die Gefühle von Angst, Wut und Enttäuschung. Ich kann diese heute besser annehmen und akzeptieren. Schuldgefühle oder Schuldzuweisungen, ein Hadern mit dem Schicksal oder sich im Selbstmitleid zu baden sind absolut nicht hilfreich.

Was hilft Dir heute in schwierigen Situationen?
Ein offener und ehrlicher Umgang damit. Ich bin heute wesentlich lösungsorientierter bei Problemen und kann Niederlagen schneller und besser annehmen und auch wieder loslassen.

Was wünschst Du Dir für den Umgang mit Scheitern?
Einen offeneren Umgang damit ohne das negative, gesellschaftliche Stigma.
Allerdings stehe ich der gerade entstehenden „Scheiterkultur“ auch kritisch gegenüber, die mit Geschichten von „Edelgescheiterten“ einem glauben machen will, daß Scheitern zum Erfolg gehört. Scheitern ist nicht toll, und viele der Geschichten von „Edelgescheiterten“ haben nichts gemein mit diesem elenden und schmerzhaften Scheitern, wenn ein Projekt, eine Idee oder ein Lebenstraum untergeht.

Welche Tipps gibst Du anderen Gründerinnen und Gründern für schwierige Situationen mit auf den Weg?
Nicht in der Schuldfrage hängen zu bleiben, den negativen Gefühlen Raum zu geben und den Punkt zu finden, wann loslassen die beste Alternative ist.
Und vor allem: Scheitern nicht zu persönlich zu nehmen! Eine Idee, ein Projekt oder ein Traum ist gescheitert, aber nicht ich als Mensch.

Herzlichen Dank für das Interview!

Ein Interview mit Ridvan Kücük, auch Speaker der FAIL NIGHT am 1. November 2016 findet Ihr hier.

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