„Das ist nicht, was wir unser ganzes Leben machen wollen!“

Henning HappelText: JAANA KISTNER, Foto: dapolino
Die K.E.S. Planungs- und Entwicklungsgesellschaft (UG) ist eine Unternehmensgründung aus dem Bereich des Maschinenbaus, verantwortlich für Entwicklung und Konstruktion von Vorrichtungen, Betriebsmittel oder auch Bauteile. Die Kunden sind vielfältig, von der Fahrzeugindustrie über mittelständische Industriekunden bis zur Medizinbranche.

Jede Branche und jeder Kunde bringt eigene Anforderungen mit sich, so sind auch die Projekte von K.E.S. breit gefächert – von einfachen Stahlkonstruktionen bis hin zu hochpräzisen Dreh- und Frästeilen. „Das bringt für uns den Effekt mit sich, dass wir uns auf jeden Kunden neu einstellen und von Projekt zu Projekt umdenken müssen, was es sehr interessant macht, da wir dadurch sehr breit aufgestellt sind“, so Henning Happel, Geschäftsführer und Mitgründer von K.E.S.

Die Ausgangslage
Angefangen hat K.E.S. im Jahr 2012 mit der Intention eines klassischen Ingenieurbüros, Konstruktionsdienstleistungen anzubieten. Die Gründung erfolgt im Team, bestehend aus Henning Happel, Ottmar Pfaffenbach und Matthias Oxe. Happel erzählt wie es zum Gründungsvorhaben kam: „Nach unserem Studium an der Universität Kassel haben meine damaligen Gründungspartner und ich zunächst das Berufsleben als Angestellter kennen gelernt und für uns festgestellt, das ist nicht, was wir unser ganzes Leben machen wollen! Wenn ich an einer technischen Aufgabenstellung gegen meine Überzeugung bearbeiten muss, nämlich so wie mein Chef es will und nicht wie ich denke, dass es besser ist, ist es sehr schwierig sich zu motivieren.“ Das war der ausschlaggebende Punkt, selber Einfluss nehmen zu wollen, sowohl auf die Kunden, als auch auf die Aufgabenstellungen und Lösungswege.

Deutschland bietet Gründungen aus dem Maschinenbau viel innovative Industrie, die innovative Lösungen braucht. „Das Potential in unserem Bereich selbstständig zu werden war gegeben und das selbstständige Arbeiten lag uns beiden von Anfang an“, so Happel.

Ein Geschäftsführer steigt aus
Während sich Pfaffenbach auf den Sektor Regenerative Energie konzentrierte, baute Happel den Bereich des industriellen Umfelds und des Maschinenbaus aus. Doch das Unternehmen entwickelte sich anders als geplant. Durch Änderungen im EEG wurde der Geschäftsbereich Regenerative Energien unrentabel: Pfaffenbach schied im Jahr 2016 aus und widmete sich anderen Projekten. Warum der Ausstieg reibungslos verlaufen konnte, erklärt Happel wie folgt: „Die zweiteilige Aufstellung von Anfang an erleichterte den Ausstieg meines ehemaligen Geschäftspartners sehr. So verlief die Trennung relativ unproblematisch.“ Dennoch hat Happel einige Tipps für Unternehmensgründer, um sich für den Fall des Ausscheidens eines Gründungsmitglieds zu wappnen: „Man sollte sich vorher ganz klar die Gedanken machen, welcher Unternehmenszweck ist angestrebt durch den jeweiligen Gründer und welche persönlichen Ziele habe ich. Die Unternehmensstruktur sollte dann passend darauf gestrickt werden, sodass sich jeder Gründer jederzeit wiederfindet oder vereinfacht aussteigen kann.“

Fallen durch das Ausscheiden eines Gründers wichtige Unternehmensbereiche und Kompetenzen weg, ist die Ausgliederung eine mögliche Option. „So machen wir das“, verrät Happel. „Die komplette Buchführung macht für uns ein Steuerberater.“

Enger Kontakt zur Universität
Im Jahr 2015 zog das Unternehmen in den Science Park ein und entwickelte sich weiter. „Immer mehr Kunden wünschten von uns, nicht nur eine Konstruktion, sondern das komplette Rund-um-Paket, inklusive Inbetriebnahme des Produkts oder der Vorrichtung“, beschreibt Happel die Anforderungen seiner Kunden. Durch die starke Nachfrage bearbeitet K.E.S. inzwischen 90% der Projekte komplett aus eigener Hand, was deutschlandweite Reisen mit sich zieht, aber auch Vorteile hat. „Dadurch haben wir die Projekte besser in der Hand. Unsere Kunden haben von Anfang bis Ende einen Ansprechpartner, der für Rückfragen zur Verfügung steht. Außerdem sehen wir unsere Vorrichtungen und deren Funktion nicht nur auf dem Monitor, sondern auch im realen Einsatz.

Aktuell sind bei K.E.S. fünf Mitarbeiter beschäftigt, davon vier Ingenieure und ein Technischer Zeichner. Alle kommen von der Universität Kassel und sind durch ihr Berufspraktisches-Studium bei K.E.S. eingestiegen.

„In den Science Park zu ziehen war definitiv die richtige Entscheidung. Die Möglichkeiten, wie wir uns weiter entwickeln konnten waren super. Angefangen haben wir mit zwei Büros, danach konnten wir uns flexibel vergrößern und besetzten jetzt fast den ganzen Gang. Wir schätzen vor allem die ungezwungene Atmosphäre, dadurch dass hier Leute aus verschiedensten Bereichen ansässig sind,“ beurteilt Happel den Umzug des Geschäftssitzes.

Die eigenen Kontakte zur Universität Kassel bringen auch Forschungsprojekte mit sich. „Aktuell beantragen wir gerade ein LOEWE3-Forschungsprojekt mit UNIpace, über ein Zuführsystem von Silikonkautschuk in Spritzgussmaschinen. Gemeinsam mit Dr.-Ing. Ralf-Urs Giesen und Fabian Verheyen entdeckten wir das Potential in diesem Bereich ein Produkt zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.“ Bei Erhalt der Förderung startet das Projekt im Januar 2020.

Blick in die Zukunft
Für die Zukunft wünscht sich Happel, „für unseren Warenein- und ausgang mit großen Komponenten, die oft auf Palette kommen, wäre es schön eine Werkhalle zu haben.“ Derzeit wird das noch über eine zeitweise Anmietung gelöst.

Dieser Beitrag ist bereits im Science Park Newsletter vom Oktober 2019 erschienen.

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