Marcel Hahn entwickelte schon als Student leicht bedienbare Anwendungen mit viel Komplexität und Magie im Inneren

Marcel Hahn

Marcel Hahn hat als 22-jähriger Informatik-Student gemeinsam mit seinem Vater das Unternehmen HAHN PROJECTS gegründet. Die Ergebnisse seiner Masterarbeit nutzt er, um neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Zusätzlich arbeitet der inzwischen 29-Jährige Doktorand als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Software Engineering bei Prof. Dr. Albert Zündorf.

Im Gründerblog erzählt Marcel, wieso er mit seinem Vater gegründet hat, mit welchen Schwierigkeiten das Startup zu kämpfen hatte und mit welchem Angebot sie den Markteintritt geschafft haben.

Wie ist die Idee entstanden, zu gründen?
„Für den Verkehr auf unseren Straßen ist der erste Schnee im Winter immer schlimmer als der zweite “ und „Nebel im Ferienverkehr ist schlimmer als im Berufsverkehr“, Verallgemeinerungen wie diese waren immer Anlass für Diskussionen zwischen meinem Vater und mir. Wie können wir diese „gefühlten Wahrheiten“ vorhersagbar machen?

Mein Vater war lange Jahre als Projektleiter für die Bereiche Autobahn-, Park- und Tunnelleitsysteme zuständig. Und ich als Software-Entwickler hatte immer Ideen für die Entwicklung von Methoden, um Unfallschwerpunkte bei schlechtem Wetter vorherzusagen. Diese Infos sind natürlich für Autofahrer interessant, aber auch für Logistik-Unternehmen, die dann die Fahrten anders planen können. Als mein Vater in den Ruhestand ging und ich neben meinem Studium noch freie Kapazitäten hatte, haben wir ein Gewerbe angemeldet. Unsere Idee war, Big Data für die Verkehrstechnik zu entwickeln und zu vermarkten.

Damals haben wir uns vorgestellt, dass wir Aufträge von der öffentlichen Hand bekommen. Aber als kleiner Anbieter kamen wir einfach nicht in das Vergabegeschäft. Die Hürden sind sehr hoch: Man muss erstmal mindestens drei Referenzprojekte nachweisen können, die alle größer und komplizierter sind als das Projekt auf das man sich bewirbt.

Was habt Ihr gemacht, als Ihr festgestellt habt, dass die Markteintrittsbarrieren für Euch als Startup zu hoch sind?
Wir haben dann angefangen Netzwerke aufzubauen. Im Auftrag eines Verbands haben wir einen Kongress organisiert, bei dem es um Betriebstechnik für Tunnel ging. Als nächstes haben wir Schulungen für die Betreiber einer Open-Source Software, die in Verkehrszentralen genutzt wird, angeboten und hier im Science Park durchgeführt. Außerdem zertifizieren wir aktuell eine Software aus der Verkehrstechnik.

Bei unseren Smarten Gebäudelösungen installieren wir zurzeit eine große interaktive Anzeige im Eingangsbereich des Science Parks. Mithilfe dieser Anzeige wird es Gästen und vor allem Paketboten möglich sein, die Büros der Mieter besser zu finden. Mieter können dann Abwesenheitsinformationen hinterlegen und mit den Gästen direkt kommunizieren. Diese Technologie ist besonders für komplexe Gebäude interessant. Wir nutzen dafür den Editor, den ich in meiner Masterarbeit entwickelt habe. Mit ihm kann man Datenflüsse modellieren, also z.B. Termine aus dem Kalender ziehen, persönliche Termine rausfiltern und dann auf dem Bildschirm öffentliche Termine anzeigen. Die Webanwendung ist leicht zu bedienen, aber im Inneren ist „viel Magie“, die der Anwender gar nicht mitbekommt.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Deinem Vater? Gibt es auch Konfliktpotential durch den Generationsunterschied?
Natürlich gibt es auch Konfliktpotential, aber dadurch entstehen Lösungen, die uns weiterbringen: Er vertritt das klassisch-konservative Projektmanagement und ich das agile. Es gibt Pro und Contra für beide Herangehensweisen. Wir haben für uns festgestellt, dass es so ein Mittelding ist: Wir müssen dem Kunden natürlich sagen, was wir grob vorhaben, aber die Details entwickeln wir dann gemeinsam mit den Kunden und gehen in kleinen Projektschritten vor.

Als wir noch zuhause gearbeitet haben, haben wir unser Büro gemeinsam genutzt. Wir hatten unsere Schreibtische gegenübergestellt und konnten dann immer wieder diskutieren, wie wir verschiedene Probleme lösen könnten. Jetzt arbeite ich im Science Park und mein Vater weiterhin im Home-Office in Volkmarsen. Wir telefonieren bei jeder Kleinigkeit und sehen uns natürlich auch häufig.

Ich profitiere von dem planerischen Denken meines Vaters und glaube auch, dass wir unseren Kunden durch seine langjährige Erfahrung und durch meine „frischen Ideen“ einen großen Mehrwert bieten. Erfolgreiche Teams sind immer heterogene Teams. Vor allem, wenn man kreativ arbeitet, braucht man Menschen nicht nur unterschiedlichen Alters, sondern auch aus verschiedenen Bereichen.

Ich kann gut verstehen, dass mein Vater es auch nach seiner Berufstätigkeit genießt, sich mit anderen auszutauschen, zu netzwerken und die Finanzen zu verantworten. Ich könnte mir das später für mich auch gut vorstellen. Ich bin nicht selbständig, weil ich so gerne auch spät abends und am Wochenende arbeite, sondern weil mir das, was ich mache, Spaß macht!

Du arbeitest halbtags als wissenschaftlicher Mitarbeiter und nebenbei bist Du Gründer. Was sind die Vorteile dieses Modells?
Durch meinen Job an der Uni habe ich die Sicherheit, die ich brauche. Zurzeit finanzieren wir uns und die Entwicklung unserer Softwareprodukte über die Projektarbeit und über Zertifizierungs-Aufträge. Ich habe fünf Teilzeit-Mitarbeiter, deren Gehälter gezahlt werden müssen. Da geht das Geld auch schnell weg und ich bin froh darüber, mir selbst kein Gehalt zahlen zu müssen.

Ein Unternehmen aufzubauen braucht einfach Zeit. Ich habe meine Selbständigkeit sehr lange als mein „sehr teures Hobby“ bezeichnet und das ist es auch noch heute. Es braucht Vorlauf, Kunden anzusprechen und an Ausschreibungen teilzunehmen, um dann Aufträge zu bekommen.

Wo siehst Du Euch momentan und wohin wollt Ihr Euch entwickeln?
Ich sehe Hahn Projects als Inkubationsfirma, aus der heraus verschiedene Produkte entwickelt und getestet werden. Dabei entwickeln wir auch skalierbare Produktbereiche, für die bereits Prototypen entstanden sind.

Softwareentwicklungszeiten sind manchmal auch lang. Es ist wichtig, schnell Pilotkunden zu finden, mit denen wir die Produkte weiterentwickeln können. Bisher haben wir ein langsames, aber kontinuierliches Wachstum. Für den Bereich der Softwareentwicklung wünsche ich mir aber manchmal einen „Booster“, um richtig durchzustarten und diese Bereiche weiterzuentwickeln.

In unserem Verkehrstechnikbereich haben wir aktuell einen Forschungsantrag gestellt, um einen Prototypen von einer Verkehrsdaten-Plattform mit einem Pilotkunden zu testen. Dieser Kunde ist eine Autobahnmeisterei, die sich eine bessere Baustellenplanung wünscht.

Was wünschst Du Dir für die Zukunft?
Ich wünsche mir im nächsten Schritt genügend Umsätze, um mit meinem Team Vollzeit in meiner Firma zu arbeiten.

Als Unternehmer hast Du viele Aufgaben. Was fällt Dir am schwersten?
Kundenakquise ist schwierig. Gleichzeitig finde ich es aber auch interessant, mich auf das Thema einzustellen und Neues zu lernen. Ich weiß morgens noch nicht, was ich bis abends alles machen werde.

Als Gründer muss ich entscheiden, was ich selber machen will und wo ich mir Hilfe holen sollte. Man kann nicht alles selber machen, aber die Entscheidung, was man selber machen sollte und was nicht, ist manchmal ganz schön schwierig.

Was motiviert Dich?
Wenn ich wieder was geschafft habe, motiviert mich das. Wenn etwas nicht funktioniert, hake ich es ab und mache weiter!

Welche Tipps würdest Du anderen Gründerinnen und Gründern geben?
1. Fixkostenreduzierung! Bei laufenden Kosten muss man genau überlegen, ob das sein muss. Als mein Auto kaputtging, habe ich einen Dienstwagen geleast. Das war o.k., aber der Leasingvertrag lief drei Jahre und das Auto stand die meiste Zeit doch vor der Tür. Da macht es Sinn zu überlegen, ob man das Auto wirklich braucht oder ob man eins bei einer Autovermietung mietet, wenn man es braucht.

2. Gönnt Euch einen Webdesigner! Ich habe viel Zeit damit verschwendet! Es gibt Profis, die können es schneller!

3. Macht beim Business Plan Wettbewerb Promotion Nordhessen mit! Die Coaching-Veranstaltungen waren super. Gerade im Bereich Marketing, in dem ich mich nicht auskannte, haben mir die Coachings sehr geholfen.

4. Am Büro würde ich nicht sparen! Ich bin gerne hier im Science Park und finde diesen Tapetenwechsel wichtig. Es gibt ein super Netzwerk aus Unternehmern, die helfen können. Außerdem können wir hier für unsere Schulungen schnell und unkompliziert Räume anmieten.

Hier gehts zum Beitrag „Manuel Bork: Mit DEM Team wäre ich immer wieder bei Yatta dabei!
Yatta ist eine Ausgründung des Lehrstuhls Software Engineering von Prof. Dr. Albert Zündorf. Die Gründer haben EXIST-Gründerstipendium bekommen und anschließend eine High-Tech Gründerfonds Finanzierung akquiriert.

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