Prosumergy – Solarstrom für Mieter

Was macht eigentlich…
das Team von Prosumergy?

Letzte Woche habe ich mich mit Lena Cielejewski und Christopher Neumann in ihrem Büro im Inkubator getroffen. Prosumergy hat 2014 beim UNIKAT Ideenwettbewerb den Sonderpreis „Bauen und Umwelt“ gewonnen und seitdem diverse Preise gewonnen.
Lena und Christopher erzählen, wie Sie mit ihrer Idee die Energiewende im urbanen Raum voranbringen wollen und was das Besondere an Ihrem Konzept ist.

Was macht Ihr? Beschreibt doch bitte kurz Euer Geschäftskonzept!
Lena:
Wir machen Solarstrom für Mieter, d.h. wir sorgen dafür, dass Solaranlagen auf die Dächer von Mehrfamilienhäuser kommen. Dann verkaufen wir den Strom direkt vor Ort an die Bewohner.

Was ist das Besondere an Eurem Konzept?
Lena:
Im Gegensatz zu Eigenheimbesitzern haben Mieter bislang schlicht keine Möglichkeit, Solarstrom vom eigenen Dach zu beziehen, da ihnen „ihr“ Dach nicht gehört. Allerdings installieren auch Vermieter in aller Regel keine Solaranlagen für ihre Mieter, da sie damit automatisch zu einem Energieversorger werden würden. Die damit verbundenen Aufgaben und Pflichten sind ziemlich komplex und abschreckend und überfordern den einzelnen Vermieter. Wir lösen dieses Problem, indem wir Mieter und Vermieter von der Solaranlage profitieren lassen: Mieter durch Stromkosteneinsparungen, Vermieter durch eine attraktive Rendite. Und beide gemeinsam von einem echten Beitrag zur Energiewende.

Wie seid Ihr zu der Idee gekommen?
Lena:
Christopher hat sich 2014 im Rahmen seiner Masterarbeit mit der Möglichkeit, Solarstrom direkt vor Ort zu erzeugen und zu verbrauchen, beschäftigt. Damals war es lediglich eine Idee, mit der er sich wissenschaftlich auseinandergesetzt hat. Durch unsere gemeinsame Teilnahme am UNIKAT-Ideenwettbewerb und das positive Feedback, das wir dort erhielten, hat sich dann langsam ein konkretes Geschäftsmodell entwickelt.

Wie hat sich das Team gebildet?
Lena:
Christopher und ich kennen uns schon lange. Ich habe ihn bei seiner Masterarbeit unterstützt und war deshalb ebenfalls schon gut im Thema. Die Präsentation vor der Jury des UNIKAT-Ideenwettbewerbs haben wir gemeinsam vorbereitet. Über einen Kommilitonen kam dann kurz vor der Preisverleihung des Ideenwettbewerbs der Kontakt zu Daniel zustande, unserem Ingenieur. Nach kurzem Überlegen hat Daniel dann sogar seine Masterarbeit zur technisch-wirtschaftlichen Optimierung von Solarstromprojekten auf Mehrfamilienhäusern geschrieben, wovon natürlich auch prosumergy unmittelbar profitiert hat.

Welche Aufgabenbereiche übernimmt jeder von Euch im Dreierteam?
Lena:
Also eigentlich steckt jeder seine Nase in alles, aber es ist eindeutig, dass Daniel als Ingenieur der Experte für alle technischen Fragen ist. Christopher hat die stärkste wirtschaftswissenschaftliche und energierechtliche Expertise und ich kümmere mich insbesondere um Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, um Förder-Anträge und das Reporting.

War es für Euch immer klar, dass Ihr gründen wollt? War es immer eine Option für Euch?
Lena:
Für mich nicht, ich bin da eher reingerutscht.
Christopher:
Für mich war das schon immer eine Option, aber ich hatte lange nicht die zündende Idee. Als sie dann durch meine Masterarbeit entstand und ich merkte, dass sie Potential hat, habe ich weitergemacht. Wichtig war auch die externe Validierung, z.B. durch das Feedback beim UNIKAT-Ideenwettbewerb und bei einer Präsentation vor dem Unternehmerrat der Uni. Das Feedback hat uns bestärkt, das Ganze weiter voranzutreiben. Wir haben dann im Team weitergearbeitet, was natürlich deutlich motivierender ist. Ich hatte schon lange unterschwellig den Gedanken, etwas Eigenes zu starten. Durch die Masterarbeit gab es dann endlich auch eine gute Idee, die nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch sinnstiftend ist. Die dezentrale Energiewende voranzubringen – das ist es, was uns antreibt.

Hat es Mut gebraucht, zu gründen?
Christopher:
Mut braucht man schon, aber das ist nicht alles. Zuerst muss man selber von der eigenen Idee überzeugt sein, damit man sie weiterverfolgen kann. Ohne diese Überzeugung bringt man die Motivation nicht auf, so eine lange Durststrecke zu überwinden. Man hangelt sich von der Vorgründungsfinanzierung zu Accelerator-Programmen und weiter zu ersten Kunden. Dabei erlebt man auf dem Weg natürlich auch Rückschläge. Insofern braucht es schon echtes „Commitment“, die Einstellung, dass man es wirklich machen will. Und dann hilft es natürlich, wenn man auf dem Weg externe Unterstützung bekommt. Sei es die moralische Unterstützung durch erfahrene Unternehmer, die sagen, das kann was werden, oder eine monetäre Unterstützung, wenn man sich z.B. bei Wettbewerben durchsetzt. Wir haben es z.B. in den Climate-KIC Accelerator geschafft, der uns wirklich geholfen hat, unser Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Positives Feedback und ein super Team helfen dann natürlich dabei, seinen Weg zu gehen.
Lena ergänzt:
Für mich ist der Zeitpunkt, also nach dem Studium zu gründen, ideal. Ich denke, es ist leichter jetzt zu gründen als später. Wenn ich einen Job habe, vielleicht Kinder, ein Haus abbezahlt werden muss… Dann ist der Sachzwang so groß, dass ich nicht gründen würde, weil dann zunächst das reguläre Einkommen fehlt. Insofern ist es ein guter Zeitpunkt, aus dem Studium heraus zu gründen.

Wie motiviert Ihr Euch, wenn es mal nicht so läuft?
Lena:
Ich erlebe das gar nicht so, dass ich total traurig bin, wenn etwas nicht klappt. Ich bin nicht die optimistischste Person, die erwartet, dass alles immer läuft, sondern ich arbeite von Tag zu Tag. Was klappt, ist super und wenn etwas nicht klappt, dann fügt sich das auch ins Bild. Ich leide nicht unter einzelnen Rückschlägen. Ich ärgere mich vielleicht, aber das stellt nicht das infrage, was ich mache, weil ich inhaltlich motiviert bin, unser Projekt voranzubringen.
Ich finde auch, dass die Freiheit dabei im Vordergrund steht, ich bin für jeden Monat dankbar, in dem wir unser eigener Chef sind und in dem wir ausleben können, was wir machen wollen.

Worauf seid Ihr stolz?
Christopher:
Solarstrom an Mehrfamilienhaus-Bewohner zu liefern ist ein superkomplexes Geschäftsmodell mit immens hohen Anforderungen auf der energiewirtschaftlichen Seite, man wird zum Energieversorger, man muss wie ein großer Energieversorger sehr viele Pflichten erfüllen: Abrechnung, Stromkennzeichnung, Messkonzept – all das muss man können. Auch viele kleinere Dinge, wie die typischen Lastschriftverfahren für unsere Stromkunden. Auch die Wirtschaftlichkeit von einem Mehrfamilienhaus-Projekt zu prüfen, ist nicht trivial. Sie ist von einer Vielzahl an Parametern abhängig, die in die Berechnung einfließen. Macht es für die Mieter Sinn, macht es für den Vermieter Sinn? Und natürlich auch für uns, können wir damit ausreichend Geld verdienen? Es ist ein Sammelsurium an Anforderungen: Steuerliche Aspekte, rechtliche Aspekte, energiewirtschaftliche Aspekte, die wir im Griff haben. Es war ein langer Prozess, bis wir so weit waren, sämtliche Anforderungen zu erfüllen. Inzwischen haben wir zwei Pilotprojekte am Laufen und weitere in Planung, das ist natürlich ziemlich cool und macht uns stolz.
Darüber hinaus sind wir mit großen Playern aus der Wohnungs- und Energiewirtschaft und auch mit Bauherren im Gespräch und das ist für uns eine tolle Entwicklung. Und das Schönste ist dann natürlich, wenn am Ende eine Unterschrift unter dem Vertrag steht und dank uns die nächste Solaranlage installiert wird.

Wie organisiert Ihr Euch im Team?
Lena:
Bevor wir das Büro im Inkubator in der Gottschalkstrasse hatten, hatten wir einen regelmäßigen Jour fixe, einmal die Woche, wo wir alles besprochen haben, was der andere vielleicht nicht mitbekommen hat. Seit wir im Büro zusammenarbeiten, sprechen wir natürlich jeden Tag miteinander und bekommen mit, was jeder macht. Steht eine Entscheidung an, gilt das Mehrheitsprinzip, wodurch wir in der aktuellen Dreier-Konstellation nie ein Patt erleben.
Als internes Kommunikationswerkzeug nutzen wir Slack und probieren gerade verschiedene Projektmanagement-Tools aus. Auf unserem Server gibt es eine klare Datenstruktur, sodass jeder weiß, wo was abzuspeichern und zu finden ist. Für wichtige To-Dos hängen außerdem noch Whiteboards im Büro.
Unabhängig von diesen ganzen Hilfsmitteln muss man sagen: Wir harmonieren als Team super, von daher funktioniert auch die Kommunikation hervorragend.

Was sind Eure Pläne?
Christopher:
Wir möchten unser Geschäftsmodell skalieren, damit die Energiewende endlich auch im urbanen Raum vorankommt. Das heißt, wir möchten nicht nur linear wachsen, sondern deutlich stärker. Das ist anspruchsvoll. Damit das Geschäft läuft, müssen wir eine breite Projektbasis haben. Deshalb sind wir mit verschiedenen Partnern im Gespräch, mit Wohnungsgesellschaften, Energieversorgern und Installateuren in verschiedenen Städten, die „Mieterstrom“-Projekte umsetzen wollen. Unser vorrangiges Ziel dabei ist es, natürliche Allianzen zu bilden, von denen alle Seiten profitieren. Ein gutes Beispiel dafür sind Solar-Installateure, die gerne Solaranlagen auf Mehrfamilienhäusern installieren wollen, ohne prosumergy aber keinen Zugriff auf dieses Marktsegment haben, weil sie den Stromverkauf an die Bewohner nicht abwickeln können.

Kontakt:
prosumergy GbR
Geschäftsführende Gesellschafter:
B.A. Lena Cielejewski, M.Sc. Daniel Netter, M.A. Christopher Neumann
Gottschalkstr. 22
34127 Kassel
Tel: 0561-804 1892
Mobil: 0157-511 420 04
www.prosumergy.de

 

 

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