Denis Bartelt, CEO und Mitgründer von STARTNEXT: „Die Crowd kann den Erfolg einer Gründung durch ihr Marktverhalten besser voraussagen, als eine Businessplan-Analyse“

Seit 5 Jahren betreibt die Universität Kassel gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung die Plattform UNIKAT-Crowdfunding, eine eigene Seite auf Startnext, auf der ausschließlich Projekte der Region Kassel vorgestellt und finanziert werden. Im Beitrag beschreibt Denis Bartelt, CEO und Mitbegründer von Startnext die Anfänge der ersten Crowdfunding-Plattform in Deutschland und die Bedeutung von Crowdfunding für Startups.

Startnext gibt Projektstarterinnen und -startern aus den unterschiedlichsten Bereichen (Kunst, Film, Musik, Design, Erfindungen, Prototyping, Gründung etc.) die Möglichkeit, ihre Ideen online vorzustellen und mit Hilfe zahlreicher Unterstützerinnen und Unterstützer zu finanzieren und eine Community aufzubauen.

Herr Bartelt, zurück zu den Anfängen: wie kam es zu der Gründungsidee von Startnext? Gab es Vorbilder? Was war Ihre Vision? In welcher „Zeit“ ist Startnext entstanden?
Startnext ist entstanden, weil mein Mitgründer Tino Kreßner und ich 2009 den Eindruck hatten, dass wir mit Crowdfunding auch in Deutschland für Kreativwirtschaft sowie nachhaltige Projekte und Startups eine Finanzierungslücke schließen können. Wir hatten das Finanzierungsmodell für Musiker und Künstler auf internationalen Plattformen entdeckt und fanden es fair und gut verständlich. Wir waren uns sicher, dass Social Media und der Netzwerkgedanke zu vielen neuen Projekten führen kann. Unsere Vision war und ist es, „Gatekeeper“ zu umgehen. Auf Startnext kann jeder sein Projekt starten und erfolgreich finanzieren, wenn die Idee bei der Crowd ankommt und zu unseren Kategorien passt. Startnext ist entstanden, als Social Media immer mehr Internetnutzer erreicht hat. Wir glauben daran, dass man diese Möglichkeit für Gutes einsetzen kann.

Seit 5 Jahren gibt es die UNIKAT CROWDFUNDING Partnerseite auf Startnext. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt der Uni Kassel, des Science Park Kassel und der Wirtschaftsförderung Region Kassel. Welche Vorteile haben regionale Seiten?
Crowdfunding funktioniert dann besonders gut, wenn die Geldgeber einen direkten Nutzen aus der Kampagne erfahren. Wenn es darum geht, ein Lokales Projekt zu finanzieren, beteiligen sich die Menschen, die selbst davon profitieren können oder eine Verbindung zum Projektinhalt haben. Lokaler Crowdfunding-Erfolg liegt deshalb auf der Hand. Wir haben schon 2011 zusammen mit „Nordstarter“ für Hamburg erste Experimente mit einer lokalen Plattform gemacht. Der Erfolg gab uns Recht und wir haben dieses Prinzip weiter professionalisiert. Unser Ziel dabei ist es, den Projektinitiatoren durch die lokalen Cluster-Initiativen Mehrwerte für ihre Kampagne anzubieten. Partner, die Geld, Expertise oder z.B. Stipendien beisteuern können, tragen nachweislich zum Erfolg einer Kampagne bei. So kann man auch von regionaler Wirtschaftsförderung sprechen, wenn Partner sich hier engagieren. Citizen-Crowdfunding ist auf dem Vormarsch und mit Startnext wollen wir diese Initiativen fördern.

Seit dem Start von UNIKAT CROWDFUNDING haben 59 Projekte die Möglichkeiten des Crowdfunding auf UNIKAT genutzt. 39 dieser Projekte, also mehr als 60%, konnten dadurch erfolgreich finanziert und umgesetzt werden.
Was gehört zu einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne und gibt es Projekte, die sich besonders gut eignen?
Ein perfekter Titel, tolle Fotos, ein authentisches Pitchvideo und spannende, nützliche Dankeschöns machen eine gute Projekteseite aus. Das Team sollte außerdem in der Lage sein, lokale und soziale Netzwerke zu aktivieren. Dafür braucht es eine gute Kommunikationsstrategie und viel Zeit und Geduld. Besonders gut einigen sich Projekte, die zu dem Prinzip aus Leistung und Gegenleistung passen. Wenn die Dankeschöns als Ergebnis einer Kampagne den Bedarf der Nutzer stillen können, dann passt Crowdfunding perfekt. Nicht zuletzt spricht man beim Crowdfunding vom Markttest. Praktischerweise ist Crowdfunding Marketing für die eigene Sache und sollte die Zielgruppe erreichen. Schafft man dies, wir eine Kampagne zum Erfolg, wenn das Projekt einen Marktbedarf erfüllt. Selbst wenn die Finanzierung scheitern sollte, hat man als Projektinitiator nur gewonnen. Wertvolle Erfahrungen und Feedback der Nutzer helfen dabei, die eigene Idee zu verbessern. Auf der Crowdfunding-Plattform entstehen in so einem Fall keine Kosten. Das Alles-oder-nichts-Prinzip macht es möglich – die Unterstützer erhalten in dem Fall ihr Geld zurück.

Abschließend ein Blick in die Zukunft: Wie sehen Sie zukünftig die Rolle des Crowdfunding als einen Bestandteil der Start-up-Finanzierung?
Crowdfunding hat sich als wichtiger Bestandteil im Finanzierungsmix eines Startups etabliert. Während sich Crowdfunding mit Dankeschöns zur Vorfinanzierung, als Markttest und für den Abverkauf eignet, nutzen Startups Crowdinvesting, um Unterstützer an der Rendite ihres Unternehmens partizipieren zu lassen. Während durch den Versand der Dankeschöns die Verträge beim Crowdfunding innerhalb weniger Monate erfüllt sind, besteht die Beziehung zu den Investoren einer Crowdinvesting-Kampagne zwischen 5-7 Jahren. Der Aufwand dafür und auch das Mitspracheinteresse der Crowd sind dabei nicht zu unterschätzen.
Startnext arbeitet seit Jahren an Konzepten zur Kofinanzierung, mit dem Ziel Förderbanken, Stiftungen und andere Geldgeber an Crowdfunding-Kampagnen anzudocken und damit die Erfolgschancen eines Startups zu erhöhen. Wir glauben daran, dass die Crowd in vielen Fällen den Erfolg einer Gründung durch ihr Marktverhalten voraussagen können, besser in jedem Fall, als eine alleinige Analyse eines Businessplans. Es hilft unserer Meinung nach jedem Startup, einen Markttest durchzuführen. Beim Crowdfunding gibt’s neben den Testergebnissen auch noch das Gründungskapital und die ersten Kunden dazu. Darauf sollte kein Startup verzichten.

Mit „Sozial ist Sexy“ wurde bereits zum zweiten Mal ein Crowdfunding Contest in Kassel durchgeführt. Die „Top Five“ Projekte mit den meisten Unterstützer*innen, erhalten zusätzliche Preisgelder in Höhe von insgesamt 12.000 Euro. Am 26. Juni 2019 findet die Abschlußveranstaltung statt. Feiern Sie gemeinsam mit uns und lernen Sie ein Stück soziale Vielfalt in Kassel kennen.

Die Fragen stellte JAANA KISTNER. Der Beitrag ist bereits im Science Park Newsletter im Juni 2019 erschienen.  

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Hier geht es zum Beitrag „Crowdfunding-Profi Svenja Schröder: Seid präsent!“

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