„Selbst über meine Zeit und den Inhalt meiner Arbeit zu bestimmen, ist produktiv. Deshalb möchte ich gründen.“

Dr. Andrea Dührkoop ist Postdoc-UNIKAT-Fellow und nutzt das einjährige Stipendium, um ihre Forschungsarbeit zur selbststeuernden Bewässerung in der Landwirtschaft weiterzuentwickeln und wirtschaftlich nutzbar zu machen.

Du beschäftigst Dich schon seit 10 Jahren mit Deiner Idee. Worum geht es dabei und wie bist Du auf das Thema aufmerksam geworden?
Ich habe eine wasser- und arbeitssparende selbststeuernde Unterflurbewässerung entwickelt.
Während meines Studiums der Umweltingenieurwissenschaften an der Uni Rostock, hat ein Dozent über übliche Oberflächenbewässerungsverfahren und deren Ineffizenz gesprochen. Das hat mich beschäftigt. Nach dem Vortrag habe ich dann mit Kommilitonen darüber diskutiert, welche Vorteile Unterflurbewässerungsverfahren gegenüber den vorgestellten Systemen haben. Das Thema hat mich nicht mehr losgelassen. Ich war während eines zweisemestrigen Studentenaustauschs in Valencia/ Spanien und kam dort mit der Bewässerungslandwirtschaft in Kontakt.
Meine Diplomarbeit schrieb ich 2008 über „Unterflur- und Gefäßbewässerung in der Landwirtschaft“ . Mit der Idee einer selbststeuernden Unterflurbewässerung mit porösen Schläuchen nahm ich erfolgreich an verschiedenen Ideenwettbewerben teil.

Was ist das Besondere an der Idee?
Neu an meiner Idee ist das selbststeuernde Prinzip. Dadurch, dass die Schläuche bestimmte Materialeigenschaften aufweisen (porös, definierte Wasserdurchlässigkeit), geben sie nur dann Wasser an den Boden ab, wenn dieser trocken ist. Ist der Boden feucht, wird der Wasserfluss minimiert oder gestoppt. Damit ist es konkurrierenden Bewässerungssystemen im Hinblick auf die Wassernutzungseffizienz überlegen, zusätzlich ist der Arbeitsaufwand durch den selbststeuernden Betrieb vergleichsweise gering.

Wo könnte das Bewässerungssystem eingesetzt werden?
Das System könnte weltweit in der Landwirtschaft eingesetzt werden, aber auch z.B. in Gartenanlagen oder Privatgärten.

Du hast dann ein gemeinsames Projekt mit Herrn Professor Dr. Oliver Hensel aus der Agrartechnik am Standort Witzenhausen durchgeführt und hast dort promoviert. Was hast Du Dir für das einjährige UNIKAT-Fellowship vorgenommen?
2009 habe ich bei einem Workshop in Sambia Herrn Hensel kennengelernt, mit dem ich in Kontakt geblieben bin. An seinem Fachgebiet Agrartechnik gibt es eine Arbeitsgruppe, die sich mit Bewässerungs- und Solartechnik beschäftigt. Gemeinsam haben wir dann erfolgreich Forschungsanträge gestellt und konnten Schläuche in Feldversuchen in Algerien, Kenia und Deutschland testen. Diese Untersuchungen waren deshalb so wichtig, weil das Klima, die Bodenbeschaffenheit und die Wasserqualität in diesen Regionen sehr unterschiedlich sind und wir wichtige Rückschlüsse auf die Funktionsweise und Einsatzbedingungen des innovativen Verfahrens ziehen konnten.

Eine Herausforderung sind aber Verstopfungen und Biofilme, die den langfristigen Betrieb des Bewässerungssystems beeinflussen. Um dafür eine Lösung zu finden, werde ich während des „UNIKAT-Fellowships“ verschiedene Reinigungsverfahren entwickeln und ihre Effizienz im langfristigen Einsatz untersuchen. Außerdem sind die bisher verfügbaren Schläuche, die z.B. in der Medizin eingesetzt werden, für den Einsatz in der Landwirtschaft zu teuer. Auch dafür suche ich eine Lösung, die wirtschaftlich und technisch sinnvoll ist.

Hast Du immer schon mit dem Gedanken gespielt, zu gründen?
Nein, nicht von Anfang an, aber der Gedanke hat sich entwickelt. Ich bestimme gerne selbst über meine Zeit und den Inhalt meiner Arbeit. An der Uni bin ich sehr frei in der Art, wie ich arbeite. Ich arbeite gern viel, aber ich möchte nicht fremdbestimmt arbeiten.

Dr. Andrea Dührkoop ist seit Juli 2017 „Postdoc-UNIKAT-Fellow“. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Das „Postdoc-UNIKAT-Fellowship“ basiert auf der Zusammenarbeit der Universität Kassel mit der B. Braun Melsungen AG. Die durch das Fellowship geförderten Projekte drehen sich um technische, soziale, ökologische oder auch kulturelle Innovationen. Sie sollen in konkrete Produkt-, Service- oder Geschäftskonzepte münden. Bewerben können sich Absolventen und Absolventinnen der Universität Kassel, deren Promotion maximal zwölf Monate zurück liegt sowie Promovierende, bis zu sechs Monaten vor Abschluss des Promotionsverfahrens.

Infos zum Postdoc-UNIKAT-Fellowship hier.

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