Thea Welland: „Ich behaupte mal, ich habe die glücklichsten Schafe. Mein oberstes Gebot ist meine Tierhaltung“

Thea Welland lebt mit ihrer Tochter Lilli, Hunden, Katzen, Hühnern und einer über 30-köpfigen Schafherde in Witzenhausen. Von der Milch ihrer Schafe produziert sie unter dem Label „Well land-Naturseifen“ Naturkosmetik, die sie über ihren Onlineshop und auf Märkten verkauft.

Die Agraringenieurin hat nach einer Ausbildung als Rettungssanitäterin und einer landwirtschaftlichen Lehre „Ökologische Agrarwissenschaften“ in Witzenhausen studiert. Im Studium lernte sie das Selbstversorgerprinzip als Lebensform kennen, das für sie auch heute eine wichtige Rolle spielt.

Im Beitrag erzählt Thea Welland von den Anfängen ihrer Schafhaltung, der Produktion der ersten Seifen, von den Schwierigkeiten und von dem Glücksgefühl, Schafhaltung und hochwertige Produkte aus besten Zutaten zu verbinden.

So ging es los
Die Schafhaltung begann eher zufällig während des Studiums. Als ich mit meinem Hund durch die Wendershäuser Aue ging, traf ich Kommilitonen, die Schafe, Gänse und Ziegen hielten. Das fand ich toll. Ich habe gefragt, ob ich helfen könnte und habe dann morgens die Gänse rausgelassen. Als die Schafe lammten und Lämmer abgegeben werden sollten, habe ich spontan gesagt, ich nehme „Pipilotta“, das eine der Lämmer. So ging es mit der Schafhaltung los.

Selbstversorgung und kleiner Job
Nach dem Studium habe ich an der Uni gearbeitet und eine Hütte mit Gemüsegarten und 4 ha Wiese am Waldrand angemietet. Ich hatte dort einen der absoluten Glücksmomente, als ich in meinem Gemüsegarten stand und merkte, dass ich mir innerhalb kürzester Zeit das geschaffen habe, was ich mir erträumt habe: Erdbeeren und Porridge, Bohnen und Zucchini. Und dann standen da meine Schafe, ich habe Käse gemacht und Brot gebacken.

Selbstversorgung als Lebensform war auch im Studium schon ein Thema. Ich halte das Modell immer noch für gut: Selbstversorgung und einen kleinen Job, mit dem man auch die Miete und die Krankenversicherung zahlen kann. Ich glaube fest daran, dass Selbstversorgung glücklich macht: anzubauen, beim Wachsen zuzuschauen und zu ernten, ist wahnsinnig erfüllend.

Ich produziere einfache Kosmetik mit besten Zutaten basierend auf Selbstversorgung
Wenn Du Dich mit Selbstversorgung beschäftigst, fängst Du auch irgendwann an, Kosmetik selbst zu machen. Cremes habe ich schon lange selbst gemacht und irgendwann habe ich dann Seife produziert. Seife hat eine Besonderheit: man kann sie nicht in kleinen Einheiten herstellen und sie muss gesetzliche Auflagen erfüllen, die Werkstatt wird vom Veterinäramt überprüft, du musst den Einkauf belegen und bestimmte Richtlinien erfüllen.

Ich habe dann 2005 das Gewerbe angemeldet und meine ersten Seifen in einer Werkstatt produziert und auf Märkten angeboten. Die Seifen kamen unheimlich gut an und ich habe weitergemacht. Schafsmilch gilt als eine der gesündesten Milcharten, weil sie zum einen den höchsten Trockensubstanzgehalt hat, d.h. um ein Vielfaches mehr Mineralstoffe, Vitamine etc. enthält als zum Beispiel Kuhmilch. Zum Anderen enthält sie sehr viel der so genannten Orotsäure, die sich zellaufbauend und -regenerierend auswirkt.

Meine Mutter hat mir 2.000 Euro geschenkt – das war mein Startkapital. Ich brauchte ja nicht viel. Aber dann wurde ich schwanger. Meine Tochter wurde mit einer seltenen Behinderung geboren und ich beschloss, wieder runter in die Stadt zu ziehen.

Es war eine ganz schwierige Zeit: Ich hatte einen Geschäftspartner, der die Vermarktung übernehmen wollte und ich wollte die Seifen produzieren. Aber das Konzept ging nicht auf. Schafe geben nur wenig Milch: einen halben bis dreiviertel Liter. Deshalb kann ich nur eine begrenzte Menge an Seife produzieren. Ich kam zu einem Punkt, an dem ich merkte, dass ich mit meinem Geschäftsmodell nicht viele Menschen ernähren kann, weil ich nicht unbegrenzt wachsen kann und will. Deshalb ist für mich die Direktvermarktung meiner Seifen so wichtig: Ich kann nur eine begrenzte Menge Seife aus meiner Schafsmilch herstellen. Davon muss ich leben. Es ist sehr besonders, dass ich eigene Milch produziere, daraus die Seifen herstelle und sie direkt vertreibe. Ich stelle ein tolles Produkt her und habe eine Top-Schafhaltung aufgebaut. Darauf bin ich stolz.

Ich hatte auch mal Betriebsberater da, alles Männer, die mir erzählt haben, wie ich mein Business führen soll. Sie haben mir geraten, zu delegieren: die Schafe von jemand anderem betreuen zu lassen oder die Milch dazu zu kaufen. Aber das bin nicht ich. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie mich als den Mensch gesehen haben, der ich bin. Ich will mich selbst um meine Schafe kümmern. Das ist es, was mich zufrieden macht. Das ist für mich perfekt.

Ich behaupte mal, ich habe die glücklichsten Schafe. Mein oberstes Gebot ist meine Tierhaltung: Die Art, wie ich mit meinen Tieren umgehe. Das ist in einem normalen Betrieb einfach wirtschaftlich nicht möglich. Mir ist wichtig, authentisch zu sein, sowohl bei meinen Produkten als auch in meinem Leben. Für mich ist Authentizität wichtiger als das Biosiegel. Biosiegel sind einfach sehr teuer, das kann ich mir nicht leisten.

Es gab Situationen, in denen ich nicht wusste, wie es weitergehen sollte. In einem Sommer hatte ich finanzielle Schwierigkeiten. Mein Steuerberater hatte nur die Einnahmen, aber nicht die Ausgaben gebucht und ich hatte eine sehr große Steuernachzahlung. Mein Fehler war, dass ich die Buchungen nicht kontrolliert habe. Ich bin sehr kreativ, aber ich bin kein Zahlenmensch. Ich habe die Schwierigkeiten ausgeblendet und einfach weitergemacht. Dann kamen die Weihnachtsmärkte und gute Umsätze und dann ging es auch weiter. Das Sommerloch ist immer schwierig. Ich habe einfach weitergemacht, weil es für mich auch keine andere Option gibt.
Wenn mir bisher irgendetwas Schlimmes passiert ist, dann gab es immer Menschen, die mir geholfen haben: Als ein Bock beim Klauenschneiden meinen Kiefer ausgerenkt hat, haben meine Nachbarn, Landwirtschaftsstudenten, gemolken. Gerade bei Milchvieh kannst du dann nicht einfach sagen, ich melke heute nicht.

Es gibt keinen Plan B, aber ich habe auch immer noch die Idee des Selbstversorgergartens. Ich habe meine Schafe und ich kann sehr genügsam leben. Ich brauche nicht viel: Ich mache meinen Käse selber, ich habe das Fleisch und ich brauche keinen Luxus und fahre nicht in Urlaub.
Ich versuche, nur positiv in die Zukunft zu denken: Ich stelle eine der besten Seifen in Deutschland her und bekomme viel positiven Zuspruch. Mich motiviert, dass ich das mache, was ich in meinem tiefsten Inneren machen will!

Mein Tipp:
Konzentrier dich auf deine Dinge! Gucke nicht auf andere. Ärgere dich nicht über andere! Konzentriere dich auf dich und werde immer besser in dem, was du machst. Alles andere hilft nicht, du kannst toben, du kannst dich aufregen, aber hilft es dir?

Sei mutig! Manchmal muss man auch Entscheidungen treffen, die schwerfallen. Gucke sehr genau auf deinen Steuerberater und die Menschen, mit denen du zusammenarbeitest!

Aufgezeichnet von Gabriele Hennemuth

3 thoughts on “Thea Welland: „Ich behaupte mal, ich habe die glücklichsten Schafe. Mein oberstes Gebot ist meine Tierhaltung“”

    1. Danke für Deinen Kommentar.
      Die Seife kann über den Onlineshop oder über Märkte, wie z.B. den Pfanzenmarkt am Sonntag, 30. April in Witzenhausen gekauft werden. Aber nur für Dich: Ich bringe Dir was mit!

  1. Ich habe viel herum probiert, deshalb weiß ich: Diese Seifen, Lippenpflegestifte und Cremes sind etwas ganz Besonderes. Man spürt sie einfach die Liebe mit der diese Produkte hergestellt sind. Natürlich habe ich auch das Buch „Schafe leben nur im Jetzt“ von Frau Welland gelesen. Seifen und Buch sind beseelt. Frau Welland schreibt in Ihrem Shop: „Entdecken Sie unsere Naturseifenstücke mit duftenden Kräutern, erfrischenden Früchten und süßen Gewürzen“. Ich empfehle die Produkte gerne weiter, denn die Pflege ist einzigartig und selbst für empfindliche oder reife Haut super gut geeignet.

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