Bei Geld hört die Freundschaft auf? Muss sie nicht

Vier Kasseler Projekte haben vergangenes Jahr ein Hessen Ideen-Stipendium gewonnen. Mit dabei: Die Payment-App Zazter.

TEXT David Wüstehube

Foto: Jaana Kistner

Unternehmungen mit Freunden sind die schönsten Erinnerungen. Urlaub, Roadtrips, Festivals – geteilte Freude ist doppelte Freude. Der Haken: Auch die schönen Dinge im Leben kosten oft Geld. Schnell fragt man sich: Wer zahlt wie viel? Wer streckt das Geld vor? Der Wirtschaftsingenieurwesen-Student der Uni Kassel Doğan Ates entwickelt eine Lösung: die Payment-App Zazter.

„WG-Miete, gemeinsam essen gehen – immer schießt jemand das Geld vor“, sagt Ates. „Hinterher muss man es sich von allen mühsam zurückholen.“ Mit Zazter soll das nicht mehr passieren. Die App teilt bei gemeinsamen Zahlungen die Kosten und bucht die jeweiligen Anteile ab. Niemand muss etwas vorleisten.

Zazter ist nicht die erste Share-App. Viele WGs nutzen Apps, um gemeinsame Kosten zu regeln. „Zazter ist anders“, sagt Ates. „Es setzt direkt am Kern des Problems an.“ Nutzer registrieren sich zunächst mit ihren Kontodaten und gründen – ähnlich wie bei Whatsapp – eine Gruppe. Dank einer neuartigen Technologie kann nun als Gruppe bezahlt werden. Die Kosten werden geteilt und von den jeweiligen Konten abgebucht. Bei bisherigen Apps muss immer jemand Geld vorstrecken. „Was viele andere Apps tun, schafft man auch mit Papier und Bleistift. Zazter ist eine Innovation.“

Woher kam die Idee? 2016 machte Ates ein Auslandssemester in Kalifornien. Ein Traumziel aller Studierenden. Sonne, Strand und ein einzigartiger Lifestyle. „Ich habe dort schnell Leute kennengelernt“, sagt er. Mit zehn Freunden plant er einen Roadtrip. Ziel: Las Vegas. Doch bevor die Studierenden ihr Geld auf den Roulette-Tisch legen können, muss einer die Reisekosten vorschießen. Ates tut das. „Viele haben vergessen, das Geld zurückzuzahlen“, berichtet er, „ich musste ihnen hinterherlaufen.“ Über 300 Personen in Deutschland und den USA hat er nach solchen Erlebnissen befragt. Er stieß oft auf das gleiche Problem und erkannte die Marktlücke.

Der Beitrag ist bereits in der Publik 04/2018 erschienen.

Die gute Idee wurde bereits belohnt: 2017 erhielt Zazter neben drei weiteren Projekten der Universität Kassel ein Hessen Ideen-Stipendium für junge Gründerinnen und Gründer. Noch ist Zazter in der Gründungsphase. Erste Kundengespräche gibt es bereits. „Die Unterstützung durch UniKasselTransfer ist großartig“, sagt Ates. Besonders der Austausch mit anderen Gründern sei hilfreich. Neben dem Geschäftlichen steht für Ates eines im Mittelpunkt: „Geld darf unter Freunden kein Thema sein“, so der Gründer. Bei Geld muss Freundschaft also nicht aufhören. „Mit Zazter kann man sich auf das Wichtige konzentrieren – gemeinsam Zeit verbringen.“

Das Hessen Ideen-Stipendium ist ein Stipendienprogramm des Landes Hessen für gründungsaffine Hochschulangehörige, die sich in der Frühphase der Ausarbeitung einer innovativen Geschäftsidee befinden. Bei der erstmaligen Vergabe 2017 haben gleich vier Projekte der Universität Kassel ein Stipendium erhalten, darunter die Payment-App „Zazter – einfach bezahlen“. Mehr unter: www.hessen-ideen.de/stipendium 

Beratung:
Freitags von 10-12 Uhr in der Offenen Gründungssprechstunde der Universität Kassel (Raum 1.120 im Science Park Kassel) oder nach Vereinbarung.
Kontakt:
Gabriele Hennemuth
hennemuth(at)uni-kassel.de
0561 804 1859

Hier geht es zum Beitrag „HESSEN IDEEN STIPENDIUM – sechs Monate um deine Idee weiterzubringen“

Hier geht es zum Beitrag „6 Voraussetzungen, die euer Projekt erfüllen sollte, wenn ihr euch für ein EXIST-Gründerstipendium bewerbt“

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