Bunkerpilze – „Alternatives Geschäftsmodell und ein stabiles Netzwerk“

Was bedeutet die Corona-Krise für Kasseler Startups? Wie verändert sich das Arbeiten und wie passen Gründungsteams ihr Geschäftsmodell an? Wir haben beim Team von „Bunkerpilze“ nachgefragt!
Das Team von „Bunkerpilze“ ist mit der Vision gestartet, die Lebensmittelproduktion zurück in die Stadt zu holen und Pilze lokal und nachhaltig anzubauen. Im Beitrag berichten die Gründerinnen Katrin und Johanna, wie sie fehlende Umsätze ausgleichen und wieso ein stabiles Netzwerk wichtig ist:

„In so einer Krisenzeit, in der wir uns gerade befinden, zeigt sich einmal mehr wie wichtig es ist auf andere Geschäftsmodelle zu setzen. Seit März sind wir Teil der Solawi Kassel. Die Solawi Kassel (Solawi = solidarische Landwirtschaft) ist ein Zusammenschluss von zwei Gärtnereien, die für eine Gruppe von etwa 300 Menschen biologisches Gemüse auf einer bestimmten Fläche produziert. Das Prinzip der solidarischen Landwirtschaft funktioniert so, dass die Mitglieder der Solawi (also die Konsument!nnen) zu Beginn des Wirtschaftsjahres darüber informiert werden, welche Kosten in der Gärtnerei anfallen. Diese Kosten werden gemeinschaftlich getragen. Pro Monat wird also ein bestimmter Betrag gezahlt, der den Gärtnerinnen und Gärtnern ihr Einkommen sichert – auch, wenn die Ernte mal geringer ausfällt. Honig, Eier und pflanzenbasierte Aufstriche sind weitere Module, die man dazu buchen kann. Und seit März kann man auch unsere Pilze dazu buchen. Nun versorgen wir etwa 40 Personen pro Monat mit Pilzen.

Weggefallen durch die Krise sind Lieferungen an Restaurants, die ebenfalls einen Teil des Vertriebs ausmach(t)en. Die Überschüsse, die wir dadurch hatten, haben wir teilweise an die Mitglieder aus der Solawi weitergegeben, die sich natürlich über eine extra Portion Pilze gefreut haben. Außerdem haben wir ein paar Überschüsse an einen befreundeten Koch sowie die Aufstrich-Manufaktur im Lossehof gegeben, die haltbare Pilzprodukte für uns hergestellt haben. Durch die Aufstrich-Manufaktur des Lossehofs ist ein Teil der Pilzprodukte auch wieder an die Mitglieder der Solawi gelangt. Statt auf Öffentlichkeitsarbeit zu setzen, haben wir uns diesmal also ganz auf unser internes Netzwerk konzentriert, was sich auch in dieser Krisenzeit als sehr stabil erwiesen hat. Also alternative Geschäftsmodelle und ein stabiles Netzwerk sind gerade der Schlüssel für uns.

Oberste Priorität ist es jetzt erstmal den Betrieb am Laufen zu halten
Was sich natürlich auch geändert hat, ist die Sache mit dem Kaffeesatz. Derzeit haben wir unsere Produktion umgestellt: Unsere Pilze wachsen derzeit nur auf Stroh. Das funktioniert gut, ist aber nicht die Idee hinter unserer Produktion, die ja auf der Verwendung von Abfallstoffen – in unserem Fall Kaffeesatz – für den Pilzanbau basiert. Derzeit haben wir aber keine andere Wahl und uns deshalb für diesen Weg entschieden, sonst hätten wir einen kompletten Ernteausfall. Unsere Zusammenarbeit im Team ist auf ein Minimum reduziert. Aktuell haben wir nur routinierte Arbeiten, die wenig Absprachen erfordern, weshalb wir fast ausschließlich über Sprachnachrichten kommunizieren. Veranstaltungen, die hätten vorbereitet werden müssen, wie der Tag der Erde, sind alle abgesagt. Weiterentwicklungen unseres Startups haben wir erstmal auf unbestimmte Zeit verschoben. Oberste Priorität ist es jetzt erstmal den Betrieb am Laufen zu halten.

HomeOffice machen wir sowieso schon die ganze Zeit – da hat sich jetzt für uns „nur“ verändert, das im HomeOffice nun auch die Kinder herumspringen. Klare Absprachen mit der Familie und ein zuverlässiger Partner sind unerlässlich, um im HomeOffice/HomeSchooling-Experiment zu bestehen. In unserem Privathaushalt habe ich einen Wochenplan eingeführt in dem Schul-, Büro-, Vorlese- und Spielzeiten eingetragen sind. So ist für alle klar, wann was stattfindet und dass nach einer allein-Spielzeit auch wieder gemeinsame Aktivitäten folgen.“

Das Team der Bunkerpilze hat 2019 das sechsmonatigen HESSEN IDEEN Stipendium für die Weiterentwicklung ihrer Idee akquiriert und konnte anschließend über eine Crowdfunding-Kampagne die ersten Schritte der Gründung finanzieren. Auf dem Foto ist Katrin im Pilzkeller zu sehen. Der Nebel kommt duch die hohe Luftfeuchtigkeit zustande.

Weitere Beiträge zu „Startups in der Corona-Krise gibt es hier:

Weitere Interviews mit den Startups „K&K Stauden“ und „STRAFFR“ zum Umgang mit der Corona-Krise findest du hier.

Weitere Interviews mit den Unternehmen „eoda“, „fino“ und „Topo Twin“ zum Umgang mit der aktuellen Krise findest du auf der Website des Science Park Kassel: www.sciencepark-kassel.de

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