peas of joy: Die Mathematikerin Michelle Luckas hat während ihrer Promotion ein Food-Startup gegründet, mit dem sie jetzt Vollzeit durchstartet

Im Beitrag verrät die promovierte Mathematikerin, was ihr geholfen hat, ihre beiden großen Projekte zu planen und umzusetzen.

Michelle Luckas hat mit 25 Jahren nicht nur ihre Dissertation verteidigt, sondern parallel auch ein Startup gegründet. Mit ihrem Unternehmen „peas of joy“ entwickelt die zielstrebige Mathematikerin Proteinquellen aus Hülsenfrüchten, die eine pflanzliche Ernährung einfacher machen sollen.

Menschen, die aus ihren Ideen etwas ganz Eigenes aufbauen, habe ich immer schon bewundert. Schon früh hat mein Vater gesagt: „Wenn man gut ist, muss man sich selbständig machen“.
Die Gründung eines Unternehmens habe ich immer als attraktiven Berufsweg wahrgenommen: Mein eigener Chef sein und etwas machen, hinter dem ich zu 100 % stehe, fand ich unglaublich motivierend. Als die erste Staffel der Sendung „Höhle der Löwen“ erschien, habe ich es geliebt: Menschen zu sehen, die aus einer Idee etwas ganz Eigenes aufbauen, fand ich toll.

Ich habe im Oktober 2020 am Workshop „From PhD to Innovator“ teilgenommen, der mich sehr motiviert hat. Zu dem Zeitpunkt hatte ich ein paar vage Ideen, aber noch keine richtige Gründungsidee. Erst etwas später entstand die Idee, süße Proteinquellen aus Hülsenfrüchten zu entwickeln. Ich habe mich selber viel mit Ernährung und Gesundheit beschäftigt. Als Vegetarierin  wusste ich, wie wichtig es ist, eine vegetarische oder vegane Ernährung mit nicht-tierischen Proteinquellen zu ergänzen. Außerdem koche und backe ich leidenschaftlich gerne. Die Idee passte gut zu mir!

Sofort begann ich, jeden Tag 45 Minuten zu recherchieren: Wie gründe ich ein Unternehmen? Wie kann ich Lebensmittel produzieren? Wie müssen Lebensmittel deklariert werden? Wo bekomme ich kompostierbare Folie?
Ich machte einen Plan und notierte mir, zu welchen Bereichen ich recherchieren wollte. Parallel dazu habe ich auch gezielt andere Gründungsteams angeschrieben und mich mit ihnen ausgetauscht. Ich bekam viel Unterstützung von Gründerinnen und Gründern, die ich einfach per Instagram angeschrieben hatte. Außerdem bin ich einem Berliner Netzwerk im Foodbereich, „Kitchen Town“ beigetreten. Wir tauschen uns in themenspezifischen Workshops aus, die coronabedingt per ZOOM stattfinden, was für mich gut passt. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto selbstverständlich wurde es für mich, die Idee umzusetzen.

Anfangs befürchtet man, dass die Idee geklaut wird, wenn man sie mit anderen teilt. Heute denke ich, dass die Idee nicht so wichtig ist wie die Umsetzung. Die Umsetzung macht viel Arbeit und die Gespräche mit Freunden und potentiellen Kunden helfen, die Idee weiter zu entwickeln. Ohne den Austausch kann sich die Idee nicht weiterentwickeln. Auch meine Idee hat sich verändert: Anfangs wollte ich mit Frühstückbowls starten, dann habe ich eine Testproduktion von Riegeln und Snacks in Handarbeit produziert und schließlich habe mich für die Produktion von Bio-Linsen Granola entschieden. Auf dem Weg dahin habe ich viel gelernt und Erfahrungen gesammelt.

Die größte Herausforderung war es, einen Produzenten zu finden, der meine Produkte, die ich in Handarbeit entwickelt habe maschinell umsetzen kann, Bio-zertifiziert ist und meine Vorgaben erfüllt. Dieser Prozess war sehr aufwändig und hat wahnsinnig viel Zeit kostet. Insgesamt sind zwei Jahre von der Idee bis zum Launch des Bio Linsen-Granolas im November 2022 vergangen.

Zu Beginn meiner Promotion an der Universität Kassel wurde ein Workshop speziell für Promovierende zum Thema „Selbstmanagement“ angeboten, an dem ich teilgenommen habe. Ich wusste: Ich muss mich jetzt komplett selbst organisieren. Ich habe verschiedene Projektmanagement-Tools kennengelernt, wie die Pomodoro-Methode, die ich während meiner Promotion intensiv genutzt habe. Außerdem habe ich mir jede Woche einen Wochenplan gemacht und abends meine To-Do Liste geschrieben und priorisiert. Konzentrierte Arbeitspakete lege ich auf morgens, abends dagegen produziere ich Content für meinen Instagram-Kanal. Die Zeit zwischen den Jahren habe ich genutzt, um das kommende Jahr zu planen: Das Wichtigste ist im Moment, meine Produkte im Handel zu positionieren und den Umsatz zu steigern, damit ich mein Startup auch langfristig in Vollzeit verfolgen kann und in den nächsten Jahren wachsen kann und ein größeres Sortiment an Produkten aus Hülsenfrüchten anbieten kann.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass ich mit dem Linsen-Granola und den weiteren geplanten Produkten dazu beitragen kann, dass in Deutschland mehr der gesunden und nachhaltigen Hülsenfrüchte gegessen werden. Ich möchte peas of joy zu einem profitablen Unternehmen machen. Und ich wünsche mir, bald ein kleines Team mit eigenem Büro aufbauen zu können.

Meine Tipps für angehende Gründer:innen:

  • Halte deine Idee nicht geheim, sondern sprich mit anderen darüber, um möglichst früh hilfreiches Feedback und neue Denkanstöße zu sammeln, die dich bei der Umsetzung weiterbringen.
  • Komm ins Handeln. Mir hat es extrem geholfen, mir fest vorzunehmen, jeden Tag mindestens 45 Minuten an der Umsetzung meiner Idee zu arbeiten. So bin ich in einen richtigen „Flow“ gekommen und Schritt für Schritt der Gründung meines Unternehmens und schließlich dem Markteintritt nähergekommen.
  • Tausche dich mit anderen (angehenden) Gründer:innen aus. Es ist nicht nur für die eigene Gründung hilfreich zu erfahren, welche Erfahrungen andere bei der Gründung und dem Aufbau des eigenen Unternehmens gesammelt haben, sondern auch extrem motivierend und inspirierend.
  • Lass dich von Problemen, Kritik und Rückschlägen nicht unterkriegen. Ich bin mir sicher, wenn du für deine Idee brennst und siehst, dass es dafür einen Bedarf gibt, dann wirst du auch einen Weg finden, sie erfolgreich umzusetzen. Auf meinem Weg gab (und gibt) es auch viele Hürden, Schwierigkeiten und unerwartete Planänderungen, aber ich bin froh, trotzdem immer drangeblieben zu sein und weitergemacht zu haben.

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